02. Juni 2019
Manchmal ist man überrascht, dass man gewisse Weine im Keller hat, so sehr hat man sie dort vergessen... Dies war der Fall mit dem 2008er Chambolle-Musigny Les Veroilles von Bruno Clair. Der Wein präsentierte sich in durchscheinendem Kirschrot mit leicht bräunlichem Rand. In der Nase offenbaren sich zuerst getrocknete rote Johannisbeeren, Waldpilze, Cranberries, Walderdbeere und nicht wenig Bitterschokolade, alles sehr edel zusammengefügt. Später kommen Hagebutte, Zimtpflaume,...
31. Mai 2019
Just zu Himmelfahrt (Fahrt zum Weinhimmel?) veranstaltete das elsässer Weingut Marcel Deiss eine Wanderung durch seine Rebberge und einen Tag der offenen Tür. Verkostet wurden folgende Weine: Der Alsace blanc (14 €) – bis auf die edelsüßen Weine verzichtet das Weingut auf Rebsortenangaben, denn alles ist gemischt gepflanzt – punktet mit viel Zitrusfrucht, etwas Wachs, gibt sich riesling-affin, kommt leicht staubig herüber, im Mund offenbart sich dann beträchtliches Volumen. Die...
24. Mai 2019
Schon lange nicht probiert und etwas im Keller vergessen, habe ich den 2011er Clos le Grand Beaupréau vom Weingut Pierre-Bise aus Savennières. Der Wein strahlt in mittlerem Gelb; in der Nase dominieren zuerst karamellisierte Äpfel, Walnuss, Mandel, auch leichtes die Reife anzeigendes Petrol. Dann kommen Sandteig, Beifuß in erstaunlicher Konzentration, Birnenschale, feine Mirabelle, Sägemehl, Asche, kalkige Mineralität, auch feuchter Keller und halb gefrorene Apfeltarte. Der Wein bildet...
23. Mai 2019
Der Rosésekt ist eine nicht von vielen Winzern beherrschte Disziplin – oft versinkt er im Mittelmaß. Eine Ausnahme bildet Bernhard Hubers 2005er Hecklinger Schlossberg Pinot Rosé brut nature. Der Wein leuchtet in heller Kupferfarbe, die Perlen sind fein und wie an einer Schnur gezogen. In der Nase vernimmt man Erdbeere, ja Walderdbeere, Rhabarber und Vanilleplunder, auch Brioche. Alles ist so zart, so transparent – dazu eine wahnsinnige Mineralität vom Kalkstein – der Schlossberg ist...
17. Mai 2019
Der 2009er Myophorium von Johann Ruck aus Iphofen (Franken) ist ein im Holz ausgebauter Silvaner und glänzt in altersuntypischem Hellgelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase kommt zuerst fast nur verbranntes Gummi mit Zitrusblüten, sehr intensiv, dann vegetabile Noten von grünem Spargel und Staudengewächsen, so wie frisch gefällter Bärenklau. Die Mineralität von Schiefer, ja Glimmer, harmoniert perfekt mit dem Holzeinsatz, beide Elemente verstärken sich gegenseitig. Grauburgunder Gras...
11. Mai 2019
Château Brown aus Pessac-Léognan war der erste höherwertige Bordeaux, den ich überhaupt getrunken habe. Zwei Flaschen aus dem 2009er Jahrgang habe ich mir von meinem mickrigen Doktorandengehalt geleistet – und wie sich nun zeigt, zurecht! Der Wein funkelt in fast blickdichtem Schwarz mit kirschrotem Rand – was für eine Konzentration! Im ersten Anlauf ist der Wein ziemlich opulent nach süßer Blaubeere, ja Blaubeerkonfitüre, dann paradoxerweise vollreife Erdbeere und Himbeere, im...
10. Mai 2019
Einer meiner Lieblingsweine, den ich mir immer wieder gerne aus Österreich mitbringen lasse, ist der Sgaminegg vom Weingut Muster aus der Südsteiermark, heute aus dem Jahrgang 2009. Die Farbe des Weins ist überraschend hell, passt gar nicht zu seinem Alter. Die ersten Aromen, die man verspürt, sind etwas schräg: Feuchter Keller, Birnenschale, rauchige Mineralität – sowohl Flintstein als auch weiße Kiesel – Sandteig, Blätterteig, Moos, Sommerwiese (vor allen Dingen Heu und Kamille)....
03. Mai 2019
Als ich in Vernazza in den Cinque Terre (Ligurien) einen Weinhändler nach dem Alterungspotential der dort wachsenden Weine fragte, erhielt ich als Antwort: „Due o tre anni, ma non più.“ Dieses Kindesalter hat der 2009er Campogrande aus dem Hause Altare längst überschritten. So leuchtet er auch in goldgelb bis altgold. Zuerst strömt einem pure Salzzitrone mit leicht muffigem Beiton entgegen, dieser verfliegt allerdings mit der Zeit und wandelt sich in Meeresalgen, extreme...
01. Mai 2019
Der 1. Mai ist in meinem Weinterminkalender fest mit dem Weingut am Stein aus Würzburg verankert. Angefangen habe ich mit den Sekten, die ich gleichauf mit Raumland, Huber, Diel und Rebholz sehe. Das erste Trio stammt aus 2015: Der Silvaner brut (18 €) ist vielleicht etwas schwächer als in den Jahren zuvor, punktet aber mit tiefer Mineralik, vor allem Feuerstein, unterlegt mit Zitrone, zeigt sich monolithisch, noch jung, dann nachverlangend am Gaumen. Der Grauburgunder brut (20 €) ist...
13. April 2019
Die Weine vom Weingut am Stein aus Würzburg lagere ich seit einigen Jahren ein, um sie in der bestmöglichen Reifephase verkostet zu können. Vor Kurzem hat der 2008er Montonia Spätburgunder sein Zehnjähriges gefeiert – ein Grund mehr, ihn hier zu rezensieren: Die Farbe ist ein sattes Kirschrot. Die Nase ist zuerst eher oberflächlich deutsch nach Erdbeere, dann kommt aber nur noch geradlinige Kirsche, hinter der sich eine dezente Blättrigkeit nach Laub hervorschiebt, komplettiert wird...

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