23. Mai 2019
Der Rosésekt ist eine nicht von vielen Winzern beherrschte Disziplin – oft versinkt er im Mittelmaß. Eine Ausnahme bildet Bernhard Hubers 2005er Hecklinger Schlossberg Pinot Rosé brut nature. Der Wein leuchtet in heller Kupferfarbe, die Perlen sind fein und wie an einer Schnur gezogen. In der Nase vernimmt man Erdbeere, ja Walderdbeere, Rhabarber und Vanilleplunder, auch Brioche. Alles ist so zart, so transparent – dazu eine wahnsinnige Mineralität vom Kalkstein – der Schlossberg ist...
17. Mai 2019
Der 2009er Myophorium von Johann Ruck aus Iphofen (Franken) ist ein im Holz ausgebauter Silvaner und glänzt in altersuntypischem Hellgelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase kommt zuerst fast nur verbranntes Gummi mit Zitrusblüten, sehr intensiv, dann vegetabile Noten von grünem Spargel und Staudengewächsen, so wie frisch gefällter Bärenklau. Die Mineralität von Schiefer, ja Glimmer, harmoniert perfekt mit dem Holzeinsatz, beide Elemente verstärken sich gegenseitig. Grauburgunder Gras...
11. Mai 2019
Château Brown aus Pessac-Léognan war der erste höherwertige Bordeaux, den ich überhaupt getrunken habe. Zwei Flaschen aus dem 2009er Jahrgang habe ich mir von meinem mickrigen Doktorandengehalt geleistet – und wie sich nun zeigt, zurecht! Der Wein funkelt in fast blickdichtem Schwarz mit kirschrotem Rand – was für eine Konzentration! Im ersten Anlauf ist der Wein ziemlich opulent nach süßer Blaubeere, ja Blaubeerkonfitüre, dann paradoxerweise vollreife Erdbeere und Himbeere, im...
10. Mai 2019
Einer meiner Lieblingsweine, den ich mir immer wieder gerne aus Österreich mitbringen lasse, ist der Sgaminegg vom Weingut Muster aus der Südsteiermark, heute aus dem Jahrgang 2009. Die Farbe des Weins ist überraschend hell, passt gar nicht zu seinem Alter. Die ersten Aromen, die man verspürt, sind etwas schräg: Feuchter Keller, Birnenschale, rauchige Mineralität – sowohl Flintstein als auch weiße Kiesel – Sandteig, Blätterteig, Moos, Sommerwiese (vor allen Dingen Heu und Kamille)....
03. Mai 2019
Als ich in Vernazza in den Cinque Terre (Ligurien) einen Weinhändler nach dem Alterungspotential der dort wachsenden Weine fragte, erhielt ich als Antwort: „Due o tre anni, ma non più.“ Dieses Kindesalter hat der 2009er Campogrande aus dem Hause Altare längst überschritten. So leuchtet er auch in goldgelb bis altgold. Zuerst strömt einem pure Salzzitrone mit leicht muffigem Beiton entgegen, dieser verfliegt allerdings mit der Zeit und wandelt sich in Meeresalgen, extreme...
01. Mai 2019
Der 1. Mai ist in meinem Weinterminkalender fest mit dem Weingut am Stein aus Würzburg verankert. Angefangen habe ich mit den Sekten, die ich gleichauf mit Raumland, Huber, Diel und Rebholz sehe. Das erste Trio stammt aus 2015: Der Silvaner brut (18 €) ist vielleicht etwas schwächer als in den Jahren zuvor, punktet aber mit tiefer Mineralik, vor allem Feuerstein, unterlegt mit Zitrone, zeigt sich monolithisch, noch jung, dann nachverlangend am Gaumen. Der Grauburgunder brut (20 €) ist...
13. April 2019
Die Weine vom Weingut am Stein aus Würzburg lagere ich seit einigen Jahren ein, um sie in der bestmöglichen Reifephase verkostet zu können. Vor Kurzem hat der 2008er Montonia Spätburgunder sein Zehnjähriges gefeiert – ein Grund mehr, ihn hier zu rezensieren: Die Farbe ist ein sattes Kirschrot. Die Nase ist zuerst eher oberflächlich deutsch nach Erdbeere, dann kommt aber nur noch geradlinige Kirsche, hinter der sich eine dezente Blättrigkeit nach Laub hervorschiebt, komplettiert wird...
29. März 2019
Es gibt Weine, die einen ohne Vorwahnung übermannen. Zu so einer Zunft gehört der 2009er Chardonnay vom Weingut Camou y Camou aus Baja California, Mexiko. Der Wein kleidet sich in ein schönes Goldgelb. Zuerst ist er sehr tertiärlastig, kommt ganz ohne Frucht aus: Mandel, Haselnuss, Walnuss, Macadamia, immer sehr fein bleibend. Es türmen sich Massen an Gestein auf (weißer heller Stein, leicht rauchig, passt zu Scamorza). Dann kommen Heu, kandierte Zitrone, kandierte Melone, im Mund dann...
23. März 2019
Einmal im Jahr öffnen Marc und Antoine Kreydenweiss ihre Tore; diesmal war ich dabei. Es gab die Primeurs und das aktuelle Sortiment, angereichert durch ein paar gereifte Weine, zu probieren. Zuerst probierten wir die Fassproben, aus dem Jahr 2018, falls nicht anders vermerkt, zuvorderst die Ortsweine: Der Kritt Pinot blanc (8,80 € im Vorverkauf) hatte eine klassische, mineralische, ja für die Rebsorte typische Nase bei dezenter Süße – wobei der fertige Wein wohl fast trocken sein...
22. März 2019
Heiner Lobenberg feiert den 2018er Château Teynac aus der Appellation St. Julien momentan als spektakuläre Neuentdeckung, während die Freiburger Weinhandlung Weinbär den Wein schon länger auf dem Schirm hat. Von dort probierte ich den Jahrgang 2001 (um die 20 €): Die Farbe ist violett bis kirschrot mit leicht bräunlichem Saum. Der Wein kommt – für sein Alter ziemlich konträr – mit viel Frucht daher: Brombeere, Blaubeere, Maulbeere und tiefe Cassis. Darauf folgt eine tolle Würze...

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